Hugo Helfenstein
19. Mai 1988, Zytturm

«Zuger Kunstporträt»

Ein Ton, den man nicht kaufen kann

Am liebsten spielt der Chamer
Musiker Hugo Helfenstein auf seiner Posaune Jazz aus den fünfziger und sechsziger Jahren. Als freier Musiker wirkt er aber nicht nur in Jazz-Bands mit, sondern spielt auch in verschiedenen klassischen Orchestern. Hugo Helfenstein war als Posaunist sowohl schon im Opernhaus wie auch im Schauspielhaus in Zürich mehrmals zu Gast. Er wirkte in der DRS-Bigband mit, bevor sie aufgelöst wurde und musizierte auch im Zirkusorchester des «Knies». Dies zeigt einerseits, wie gross das musikalische Repertoire von Hugo Helfenstein ist und wie ehrgeizig er andererseits ist, um immer wieder Neues zu lernen und zu machen.

«Ich suche die grösstmögliche Freiheit, und ich glaube, ich habe sie in der Musik gefunden», erklärte der Chamer Posaunist dem ZYTTURM und führte weiter aus, dass dies der Grund sei, wieso er freier Musiker sei. Somit ist auch klar, wieso Hugo Helfenstein am liebsten Unterhaltungsmusik, vor allem Jazz, spielt. Denn der Musiker ist im Bereich der Unterhaltungsmusik instrumental viel freier als beim Spielen klassischer Werke, wo das meiste vorgegeben ist. «Wenn man das Improvisieren einmal gelernt hat, vermisst man es in der klassischen Musik», verdeutlichte der Chamer Musiker weiter.

Hugo Helfenstein ist als Posaunist sowohl auf der klassischen Ebene wie auch im Bereich der Unterhaltungsmusik ausgebildet. Nach seinem Diplom am Konservatorium in Zürich schloss er erfolgreich die Solistenklasse am Konservatorium Bern ab. Damit war der klassische Teil seiner Ausbildung beendet, und Hugo Helfenstein reiste anschliessend in die USA, wo er sein Posaunenspiel auf dem Sektor der Unterhaltungsmusik weiterentwickelte. In den Staaten und nachher auch in Köln besuchte er berühmte Posaunisten, um mit ihnen zu spielen und von ihnen zu lernen.

Offen für Neues
Als Jugendlicher hat Hugo Helfenstein begonnen, Posaune zu spielen, weil er dieses Blechblasinstrument kennenlernen wollte. Er erinnert sich: «Ich konnte einfach nie begreifen, wie dieses Instrument funktioniert.» Inzwischen, hat er die Posaune sehr gut kennen gelernt, trotzdem betonte er: «Man hat nie ausgelernt» Damit spricht Hugo Helfenstein nicht nur den technischen Teil des Posaunenspielens an, sondern auch die Offenheit für Neues. Dazu gehört zum Beispiel die elektronische Musik.

Heute ist sich der Chamer Posaunst noch nicht schlüssig, ob er das elektronische Element je mit seiner Musik kombinieren wird. Eines weiss er aber genau, an seine Posaune selber wird er nie Elektronik hängen! Aber es ist klar für ihn, dass man sich der elektronischen Musik gegenüber nicht verschliessen darf, wenn man mit Bands zusamenspielt. «Zudem möchte ich auch meinen Musikschülern einen breiten Horizont bieten und sie beispielsweise auch mit den elektronischen Aspekten der Musik vertraut machen», fügte der Posaunist an, der die Vielfalt bei seiner Ausbildung etwas vermisst hat.

Einen eigenen Ton entwickeln
Der Chamer Musiker machte darauf aufmerksam, dass Posaunisten sehr intensiv an ihrem Ton arbeiten, um mit der Zeit einen eigenen Ton zu entwickeln, den man nirgends kaufen kann. Obwohl auf dem elektronischen Markt der Trend besteht, alles zu kopieren, ist Hugo Helfenstein fest davon überzeugt: «Den akustischen Ton eines Posaunisten wird man nie ersetzen können.»
Der Ton der Posaune wird durch Lippenfibration des Musikers erzeugt. Aber auch die äusseren Faktoren, die den Ton beeinflussen, sind recht vielfältig. Physikalische Eigenheiten, wie die Lippendicke oder die Zahnstellung des Musikers, aber auch die Atemtechnik und natürlich der Klangkörper selbst spielen eine Rolle.

Mit der Posaune leben
«Ich lebe mit meinem Instrument», sagte Hugo Helfenstein, und erst als er weitererzählte, dass er seine Posaune in den Ferien manchmal vermisst, wurde mir klar, was er damit meinte. Das Musizieren mit der Posaune ist für den Musiker eine Form der Selbstdarstellung und somit auch Ausdruck seiner Gefühlswelt. Hugo Helfenstein erzählte: «Die schönsten Momente, die ich erlebe, sind, wenn ich ein schönes Musikstück gut spiele und mir die Musik gefällt und auch das Publikum freudig applaudiert».

Claudia Häusler